Lohnt sich ein Rundgang durch Los Angeles Downtown?

Lange Zeit galt ein Rundgang durch Los Angeles Downtown bei Urlaubern aus Europa geradezu als verpönt: „Da gibt es doch eh nichts zu sehen“, lautete das Credo. „LA hat doch überhaupt kein echtes Stadtzentrum.“ Manche beschrieben eine Runde durch die umstrittene Innenstadt sogar als gefährlich. Tatsächlich aber ist ein Abstecher nach Downtown bei einem Besuch von Los Angeles heute durchaus eine Überlegung wert, gibt es doch neben den historischen Wurzeln der Stadt auch die ein oder andere kleine Sehenswürdigkeit zu betrachten, auch wenn man wirklich nicht zu viel Zeit dafür einplanen sollte, denn in etwa zwei Stunden kann man zu Fuß alles gesehen haben.

Widmen wir uns aber zuerst der vielleicht sogar noch etwas wichtigeren Behauptung: Ist eine Runde durch Downtown Los Angeles gefährlich? Die Antwort darauf ist eigentlich die gleiche, die man für fast alle Teile von LA und auch für andere Städte an der Westküste (und auch der Ostküste) der USA geben muss. Nein, bei Tag ist der Rundgang nicht gefährlich, wenn man ein klein wenig Vorsicht walten lässt, nicht in die schlimmsten Straßen der Gegend abbiegt und mit seinen Wertsachen sinnvoll umgeht. Gleichwohl muss man zugeben, dass die Atmosphäre im Stadtzentrum trotz gewisser Verbesserungen weiterhin viel zu wünschen übrig lässt und von manchen sogar als unangenehm bezeichnet werden mag. Dreckige Bürgersteige, viele Obdachlose und augenscheinlich Drogenabhängige, Müll und der Geruch von Urin zeichnen leider weite Teile des Stadtgebiets aus.

Auch daher ist es sinnvoll, seine Runde auf die wirklichen Sehenswürdigkeiten zu beschränken und nicht viel mehr als die genannten zwei Stunden hier zu verbringen.

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Beginnen wir unseren Rundgang daher mit dem Wichtigsten, den historischen Wurzeln von LA. Diese findet man rund um die Olvera Street herum, die man heute wohl am besten als das „mexikanische Viertel“ von LA beschreiben kann. Hier lebt tatsächlich bis heute ein recht großer Teil der (aber auch außerhalb enormen) mexikanischen Bevölkerung, weshalb Spanisch hier im Grunde die Amtssprache darstellt. Neben ein paar historischen Gebäuden und natürlich einigen Souvenir Geschäften und Imbissen ist es vor allem der Bahnhof Union Station, der die Besucher anlockt und begeistert.

Union Station sieht von außen nämlich so gar nicht wie ein typischer Bahnhof aus, sondern erinnert viel mehr an eine spanisch-mexikanische Kirche oder Mission, und auch das Innere mit den gefliesten Böden und den verzierten Holzdecken erinnert eher an Filmkulissen denn an einen echten Bahnhof. So ein Flair findet man vermutlich in kaum einer anderen Bahnstation der USA – und auch nicht in Europa. Eine Runde durch den im Vergleich übrigens auch sehr sauberen Bahnhof ist daher Pflicht.

Anschließend könnte man die etwas weniger sauberen Ecken von Downtown ansteuern: An der imposanten City Hall vorbei (kostenlose Aussichtsplattform im Obergeschoss, die sich durchaus lohnt) geht es dann vor allem zur Walt Disney Concert Hall, ein seltsames wie Blech aussehendes Gebilde, das man wohl nur lieben oder hassen kann, bevor man die nicht minder ungewöhnliche Cathedral of Our Lady of the Angels ansteuert, eine moderne, teure Kirche, die auf Europäer häufig recht verstörend wirkt, weil sie gar nicht wie eine Kirche aussehen will.

Damit hätte man dann auch schon die wesentlichen Sehenswürdigkeiten von Downtown Los Angeles abgehakt. Wer Interesse hat und sich an der Kulisse nicht stört, könnte danach auch noch eine kleine Runde durch Japan- und Koreatown unternehmen, die an Downtown angrenzen, aber leider über einige noch zweifelhaftere Ecken verfügen. Klarer Fall von Geschmacksache.