Ein typischer Urlaubstag in LA: Essay

Ein typischer Urlaubstag in Los Angeles beginnt gegen acht Uhr morgens. Eigentlich hatte man sich ja vorgenommen, im Urlaub etwas früher aufzustehen, schließlich kann man in den USA abends ohnehin nicht viel unternehmen, weil man zu geschafft und alles zu teuer ist – aber dann liefen im Fernsehen noch Grey’s Anatomy und Scandal und bevor man sich versah, war es schon wieder 23 Uhr. Es folgte eine unruhige Nacht, in der man durch die dünne Moteltür zunächst von lauten Sirenen und dann durch die noch dünnere Motelwand von den „sportlichen Aktivitäten“ der Zimmernachbarn geweckt wurde und so ist es jetzt eben doch schon wieder acht Uhr.

Kein Problem: Ab unter die Dusche, dann geht es einem gleich viel besser. Obwohl, nein, erstmal muss man ja rausfinden, wie genau die Dusche in dieser Unterkunft nun wieder funktioniert. Zwischen einem und fünf Hebeln und Knöpfen gibt es die absurdesten Konfigurationen und erstaunlicherweise ist es gerade die Ein-Hebel-Lösung, die meistens die größten Probleme bereitet, weil man mit einem Dreh gleichermaßen Wasserdruck wie Temperatur einstellen muss, was selbst Akademiker (oder gerade Akademiker) häufig vor ein unlösbares Problem stellt. Aber nach ein paar Minuten fließt oder plätschert das Wasser dann, es duftet ganz wunderbar nach Chlor und man selbst würde es auch tun, wenn man nicht nach chemischer Seife riechen würde, weil sie sich mit dem weichen Wasser kaum abspülen lässt.

Was soll’s, das Handtuch benutzt man ja ohnehin nur zwei Mal, dann reibt man sie eben damit ab, noch schnell die Haare föhnen und dann — Oh, es gibt keinen Fön. Schade. Dann eben nass zum Frühstück, denn was gibt es Besseres am Morgen als so ein zünftiges amerikanisches Frühstück… das hier aus dünnem Kaffee und klebrigen Muffins besteht, Erstere in einer röhrenförmigen Thermoskanne, Letztere einzeln in Plastik verpackt, weil frisch aus dem Supermarkt. Beziehungsweise natürlich nicht frisch, denn Supermarktprodukten müssen in den USA noch mehr als in Europa ein „Shelf Life“ von unzähligen Monaten haben und so sind die Muffins und Donuts in Wirklichkeit eben alt und matschig.

Matschig, das gilt übrigens für beinahe jedes Supermarkt-Gebäck in den USA, selbst für Cookies, weil sich so die Haltbarkeit noch einmal deutlich verlängern lässt; ein Trick, den sich die Lebensmittelbranche von Militär abgeguckt hat, dass seine Lebensmittel für die Truppen möglichst lange haltbar machen wollte. Im Prinzip isst also fast jeder US-Amerikaner ganz automatisch wie ein Soldat, was ja auch irgendwo zur Einstellung vieler Bürger passt.

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Jetzt geht der Urlaubstag wirklich los!

Also dann. Nach dünnem Kaffee und Plastik-Muffins noch kurz aufs Motelzimmer, ein paar Flaschen Wasser und etwas Süßkram einpacken und dann ab in den Mietwagen. Für heute steht eine Runde durch Santa Monica auf dem Programm, vom Hotel zwischen Hollywood und Downtown aus problemlos in zwanzig Minuten zu erreichen. Ja, denkste! Der Verkehr ist so dicht, dass man schon bei der Ausfahrt vom Motelparkplatz erstmal Schlange stehen muss und danach geht es dann per Stop & Go weiter, wobei die Betonung auf Stop liegt. Dreißig Minuten bis zum Freeway, sechzig Minuten über den Freeway und dann noch eine halbe Stunde zum Parkhaus in Santa Monica. Inzwischen ist es zwölf Uhr – eigentlich Zeit, bald wieder etwas zu essen.

Weil man so einen Urlaubstag aber nicht nur mit Essen verbringen will, dreht man stattdessen eine Runde über den Santa Monica Pier, nur um festzustellen, dass hier an einem Mittwoch-Mittag doch tatsächlich noch nichts los ist. Was erlauben die Amerikaner?! Also doch erstmal was Essbares suchen, der nächste In-N-Out ist ja zum Glück nicht weit.

Den Nachmittag wollte man dann eigentlich am Getty Center verbringen, aber weil man den Verkehr vom Morgen noch in Erinnerung hat, entscheidet man sich dagegen und fährt ins näher gelegene Venice Beach und anschließend, schon gegen 16 Uhr ins Motel zurück. Unterwegs noch zwei Stunden durch Walmart laufen, um Wasser und Snacks zu finden, im Motel dann feststellen, dass man seine Handtücher doch noch einmal benutzen muss, weil sie nicht ausgetauscht wurden, und dann Fernsehen. Heute früher ins Bett, um morgen schon um sieben Uhr aufstehen zu können.

Doch dann kommen Football und NCIS und schon ist es wieder 23 Uhr…